Cover Band 2 der Buchreihe Über Siebenbürgen
auf Reisen,  in Leselaune,  in Rumänien

Über Siebenbürgen – Band 2

Die Kirchenburgen im Hermannstädter Land

Im zweiten Bildband der Reihe Über Siebenbürgen bleiben wir in der Nähe der Kreisstadt Hermannstadt (rum. Sibiu), allerdings ohne dem ehemaligen Zentrum der Siebenbürger Sachsen selbst einen Besuch abzustatten. Dieses Mal haben es die nachfolgenden 17 Kirchenburgen, ein Kloster und eine Sommerresidenz geschafft, sich ihren Platz im Buch zu erobern.

Die Kirchenburgen im Hermannstädter Land

Freck – Avrig
Girelsau – Bradu
Großau – Cristian
Großscheuern – Şura Mare
Hahnbach – Hamba
Hammersdorf – Guşteriţa
Haschagen – Haşag
Heltau – Cisnădie
Kerz – Cârţa
Kleinscheuern – Copşa Mică
Magarei – Pelişor
Neppendorf – Turnişor
Michelsberg – Cisnădioara
Reußen – Ruşi
Salzburg – Ocna Sibiului
Schellenberg – Şelimbăr
Stolzenburg – Slimnic
Talmesch – Tălmaciu

Die Reise durch das Hermannstädter Land unterscheidet sich deutlich von der Kirchenburgentour durch das Harbachtal. Die ländliche Idylle, die sich als roter Faden durch Band 1 zog, blinzelt im Einzugsgebiet der 170.000 Einwohner Stadt Sibiu nur noch vereinzelt durch. Stattdessen prägen Funkmasten, Industriehallen, Solaranlagen, Hochhäuser oder andere unästhetischen Wohn- und Funktionsbauten das moderne Gemeindebild. Und mittendrin die Kirchenburg. Ein aus der Zeit gefallener Fremdkörper auf einer kleinen Überlebensinsel des evangelischen Glaubens. Während draußen die Realität als wirkliches Leben vorbeizieht, bangt sie, verschanzt hinter ihrer Mauer, jeden Tag um ihren Fortbestand.

Ganz anders die Kirchenburgen im Niemandsland. Zwar kämpfen auch sie tagtäglich aufs Neue gegen bröckelnde Bausubstanz und gegen das Vergessen. Trotzdem sind sie aus der siebenbürgischen Landschaft nicht mehr wegzudenken. Harmonisch fügen sie sich zwischen die sanften Hügel ein, als wären sie schon immer da gewesen. Von Fremdkörper keine Spur. Vielmehr halten sie noch immer ihre schützende Hand über das Dorf. Auch wenn das letzte Gemeindeglied schon längst nach nebenan gezogen ist. Im Schatten ihrer einst festen Mauern ist der Glaube noch immer eine Burg. 

Im Buch unterwegs – Meine Highlights

Mit den Klosterruinen von Kerz (Cârţa) und der Sommerresidenz des Barons von Brukenthal in Freck (Avrig) startet Band 2 gleich mit den beiden Aushängeschildern der Region.

Die zu Beginn des 13. Jahrhunderts gegründete Zisterzienserabtei von Kerz blickt auf eine nur kurze, dafür aber intensive Geschichte zurück. Wie vom ungarischen König András II. gewünscht, betätigte sich das Kloster zunächst als erfolgreicher Kolonialisierungsmotor der nur spärlich besiedelten Region am linken Ufer des Grenzflusses Alt (Olt). In kürzester Zeit hoben die Ordensbrüder die Siedlungen Deutschkreuz, Kerz, Klosdorf (Cloașterf) und Meschendorf (Meșendorf) aus der Taufe. Als die Abtei 1240 vom König zusätzlich die Kirchspiele von Marienburg (Feldioara), Petersberg (Sânpetru), Honigberg (Hărman) und Tartlau zugesprochen bekam, brach außerdem ihre wirtschaftliche Blütezeit an.

Vielleicht hätte sich der Zisterzienserorden spätestens nach dem Mongolensturm 1241 an den ihr unterstellten Gemeinden ein Beispiel nehmen und ihre Klosterkirche zur Kirchenburg ausbauen sollen. So aber konnten später auch die Tataren und Türken nach Lust und Laune wüten. Der Zerstörung der Klosteranlagen folgte die moralische Dekadenz der Ordensgemeinschaft, sodass das Kloster 272 Jahre nach Gründung aufgelöst wurde. Zurück blieben eine romantische Ruinenkulisse, ein steil aufragender Torturm, eine Schrumpfkirche und das berühmte Kerzer Loch.

Die ebenfalls zwischen Hermannstadt und Fogarasch (Făgăraş) gelegene spätbarocke Schloss- und Gartenanlage geht auf die Initiative des Zivilgouverneurs für Siebenbürgen, Samuel von Brukenthal, zurück. Zwar gehört die ehemalige Sommerresidenz des Freiherrn in Freck (Avrig) ganz offensichtlich nicht zur Gattung der Kirchenburgen, dennoch haben die beeindruckenden Luftaufnahmen des weitläufigen Parks und der seit 2011 in neuem Glanz erstrahlenden Orangerie ihren Platz im Buch verdient.

Eine hohe fotografische Aufmerksamkeit erfährt die romanische Bergkirche von Michelsberg, die Wahlheimat des Buchautors und Mitverlegers Anselm Roth. Gleich zwei Aufnahmen zeigen die ungewöhnliche Leere des Innenraums. Einziger Blickfang sind der ungewöhnliche, auf Kugeln ruhende Altartisch und die entlang des Chorraums aufgereihten Grabplatten gefallener deutscher Soldaten des Ersten Weltkrieges.

Auf den Luftaufnahmen der Kirchenburg von Hahnbach mache ich gleich mehrere interessante Entdeckungen. Zuallererst fallen natürlich die berühmten Hermannstädter Augen auf, die auch auf dem Dach eines Kirchenschiffes eine gute Figur abgeben. Ob der ehemalige Hausherr den Hermannstädter Exportschlager nutzte, um seine Schäfchen besser im Auge zu behalten? Eine noch bessere Aussicht genießt der winzige Wetterhahn auf dem Kirchturmknopf, der ohne Drohne wohl unentdeckt geblieben wäre. Unübersehbar ist dagegen die Kirchturmuhr, die vom Glockenturm auf dessen vorkragendes Wehrgeschoss umziehen musste. Dabei scheint die Zeit im Süden und Osten von Hahnbach allerdings eine andere zu sein als im Westen des kleinen Weilers.

Apropos Zeit. Auch wenn die Stolzenburg ihre besten Zeiten längst hinter sich hat, punktet die mächtige Ruinenanlage als geheimnisvolle Hauptdarstellerin in einem traumhaft belichteten Fotomotiv.

Ruine der Stolzenburg; Fotografie aus dem Bildband Ueber Siebenbuergen
© Ovidiu Sopa

Nach weiteren Kirchenburgenbesuchen im Norden des Landkreises endet die Reise dieses Mal südlich von Sibiu. Genauer gesagt in Talmesch mit einem 80.000 Euro teuren Schildbürgerstreich, bei dem mir die Haare zu Berge stehen.

In Leselaune’s Schlussansichten

Der Fortsetzungsband der Reihe Über Siebenbürgen macht erneut Lust, sich mit auf die Entdeckungsreise durch die siebenbürgisch-sächsische Kirchenburgenlandschaft zu begeben. Besonders einladend sind dabei die Aufnahmen der abseits gelegenen Kirchenburgen im diffusen Abendlicht. Der spezielle Blickwinkel, weg von der Zivilisation hinein in die Weite der Landschaft, sorgt in Haschagen und Magarei für Melancholie pur.

Als enttäuschend empfand ich, anstelle einer gezielten Einstimmung auf das Hermannstädter Land, nur ein minimal modifiziertes Vorwort aus Band 1 wiederzufinden. Möglicherweise hätte eine derartige Einleitung auch eine Erklärung dafür geliefert, wie die Ortschaft Magarei ins Hermannstädter Land gerutscht ist, oder weshalb es nur die Stolzenburg, aber nicht die Pfarrkirche im Ort, vor das Kameraobjektiv schaffte.

Da man in der Regel immer drei Wünsche frei hat, speziell wenn es um mehr Lesevergnügen geht, wären dies:

  • Erstens eine Nachbesserung der Textverweise auf bestimmte Buchseiten (offensichtlich geriet die ursprünglich vorgesehene Reihenfolge ein wenig ins Schleudern).
  • Zweitens (wie schon in Band 1 vermisst) eine Übersichtskarte.
  • Und drittens eine nachvollziehbare Abfolge der präsentierten Kirchenburgen. Entweder, analog zu Band 1, einer geografischen Richtung folgend oder alternativ alphabetisch.

Und bis die Wünsche in Erfüllung gehen, begebe ich mich schon mal auf Tauchstation in den Folgeband der Buchreihe, der dem westlichen Kokelland einschließlich Mediasch einen Besuch abstattet.

Buchcover Ueber Siebenbuergen Band 2

Über Siebenbürgen – Band 2
Kirchenburgen im Hermannstädter Land

Kategorie: Bildband
Reihe: Über Siebenbürgen
Autor(en):
Anselm Roth (Fotografien und Text)
Ovidiu Sopa (Luftfotografien)
Verlag: Schiller Verlag Bonn
Erscheinungsjahr: 2015; 1. Auflage
Ausgabe: Hardcover
Umfang: 86 Seiten
ISBN: 978-3-944529-72-1
Preis: 21,90 €

Der Vollständigkeit halber:
Das Buchcover und die mit Copyright versehenen Bilder sind Eigentum des jeweiligen Verlags, Herausgebers, Fotografen bzw. sonstigen Rechteinhabers. Die Rezension ist unbezahlt und unbeauftragt. Das Buch wurde auf eigene Kosten angeschafft.

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